Keramik der Neuzeit – NAS 3 Kurs in Weixdorf/ Meißen

Die DEGUWA hat zum Ende 2012 wieder einen NAS 3 Kurs angeboten. Diesmal in Dresden und Meißen mit einem sehr  interessanten Inhalt – Keramik.
Keramiken, Scherben werden im archäologischen Bereich ja oft gefunden. Die Einordnung zeitlich, somit deren Erkennung im Kontext, ist nicht leicht, zumal viele Artefakte nur stückweise geborgen werden. Dieses Seminar sollte auf genau diese Problematik eingehen, bis ganz zurück auf die atomare Struktur von Ton, Mineralien, Feldspat etc. . Herstellung, Verarbeitung, Bearbeitung sind damit wesentliche Erkennungsmerkmale für die geschichtliche Zuordnung. Es klingt interessant 🙂

Zwischen dem 26.10. und 28.10.2012 fand der Kurs statt. Zusammen mit Bernd fuhr ich Richtung Dresden. In Weixdorf nahe Dresden befindet sich das Landesamt für Archäologie. Dr. Krabath leitete den ersten Tag. Die Themen waren avisiert mit:

  • Keramik im archaologischen Kontext (Vorgeschichte bis Neuzeit), Grobchronologie
  • Warenarten/Herstellungsspezifika
  • Auffindungsarten, Zustand, konservatorische/restauratorische Anforderungen
  • Dokumentation, Erfassung Fundzusammenhang, Zeichnung, Foto
  • Ausblick: 3 D-Dokumentation, Fundmagazin

Neben der Vorlesung und dem Seminar mit praktischen Teilen, führte er uns durch das Landesamt in alle Bereiche, die man sonst nicht so einfach zu sehen bekommt. Wir analysierten den Prozess vom Eingang bis zur Lagerung der Artefakte. Spannende Erkundung.

Arten von Keramiken

  • Irdenware
  • Fayence
  • Steinzeug – meist nie glasiert, ca 14. Jhd
  • Porzellan
  • Steingut – Ende 18. Jhd

Alle sind jeweils gekennzeichnet durch verschiedene Farben, Dekore, Glasuren – Tulpen, Vögel, …

Die frühesten Keramik-Funde in Sachesen stammen um 1600 herum. China galt als Vorbild, die direkt für Europa produzierten und tausende Produktionsstätten hatten.  Böttger stellte 1708 dann Porzellan „endlich“ Keramik/ Porzellan aus Sachsen her. Allerdings war Prozess udn Ergebnis sehr teuer.  Spätere importierte man preisgünstige Alternativen – englisches Steingut.

Die Bilder beinhalten :
Bild 1 – so kommen die Artefakte im Landesamt für Archäologie an
Bild 2 – ein industrieller Tintenstrahldrucker beschriftet bis zu 700 Scherben/ h
Bild 3 – Beschriftung auch an komplizierten Stellen möglich
Bild 4 – alle Fundstücke werden Fotografiet und digital archiviert, pro Stück 3 Fotos in 3 Belichtungen, ua. sehr alte Filmplatten
Bild 5 und 6 – Restaurierung – großes 3D-Puzzle, Vorsortierung nach Keramikart, ggf. Farbe (kann aber auch durch Sekundärfarbe verändert sein, Luminizenz versagt auch bei Sekundärfarbe), Größe etc. , Datierung äußerst schwierig, schon früher Reparaturen ua. mit Birkenpech, Reinigung der Scherben ggf. mit Oberflächenläser berührungsfrei mittels Infrarot
Bild 7 – Restaurierung von Organik wie Holz, Leder, … ist schwierig bei Trocknung (Risse, Brüche), daher Sättigung im Zuckerbad, Desinfektion gegen Bakterien
Bild 8 – Digitalisierung als 3D Modell, Laserscaner mit einer Auflösung von 0,2mm, Fundstück auf Drehteller wird digitalisieert
Bild 9 – Bilder werden mittels Software zum 3D Modell zusammengeführt, coloriert, Schnittebenen und Vermessungskriterien eingefügt (u.a. 3D MAx)
Bild 10 – Archivierung im klimatisierten Archiv, Klimatisierung kann nur Mittelmaß betragen, weil zwischen organischen udn anorganischen Artefakten ein Kompromiss gefunden werden muss.

Zum Abschluss des Seminattages gab es praktische Übungen in der Dokumentation, eine Einführung in die Zeichen- und fotografische Archivierung. So mussten wir mit den verschiedensten Werkzeugen die verschiedensten Modelle vermessen, skizzieren im Maßstab 1:1 und daraus eine Tuschezeichnung anfertigen. Anschließend gab es eine Workshop im Fotolabor, in dem die Techniken der fotografischen Dokumentation erprobt wurden.

Bild 11 – zur Auswahl stehende Objekte, die zeichnerisch dokumentiert werden sollen
Bild 12 – „mein“ Objekt, Maßerfassung
Bild 13 – Überführung in eine maßstäbliche Skizze
Bild 14 – Anfertigung der Tuschezeichnung
Bild 15 – Arbeit an den Zeichnungen und Diskussion mit Dr. Krabath
Bild 16 – Workshop im Fotostudio zur Dokumentation von Artefakten
Bild 17 – Fotostudio, Konstruktion zur schattenfreien Beleuchtung