Part 03 – Go Wild … der Tag der Löwen

Aufbruch, um in den Süden des Nationalparkes zu fahren. Es wird ein ungewöhnlicher Tag werden….
Ich fotografiere gerne. Wildlife kam als Genre dazu irgendwann. So aufregend und befriedigend wie das ist, Tiere in ihrem Lebensraum fotografisch einzufangen, es ist immer ein Spagat zwischen „ja, ja, ja“ und einer Unzufriedenheit. Unzufriedenheit daher, weil es nur Urlaubsbilder bleiben. Auch wenn man etwas Safari nennt, man ist nur in einem vorbestimmten und kleinem Zeitfenster vor Ort. Vieles hängt vom Glück ab. Das, was die großen Fotografen machen können, tage- und wochenlang auf einen Moment zu warten und genau dieses auch biologisch seitens der Tiere und organisatorisch auf den Punkt zu bringen… Ich denke, ihr wisst, was ich meine. Aber so ist es nun einmal und ich bin trotzdem froh, wenigstens das hier alles erleben zu können.

Ok, genug geheult. Es ging also wieder früh los und Bryan wollte noch einen Versuch wagen, etwas Außergewöhnliches zu sichten.
Vielleicht sollte ich einwerfen, dass in den Parks stets Ranger mit Kalaschnikows, der AK-47 also, unterwegs sind. Zum Schutz der Besucher vor tierischen Angriffen, um durch das Geräusch die Tiere von einem Angriff abzuhalten, aber auch ggf. gegen Wilderer. Diese Ranger kennen wirklich alles im Park. Sie wissen, wo welche Tiere gerade sind. Aber sie geben die Infos nur spärlich weiter. Klar, kein Flusspferd, keine Antilope will, dass 23 Fahrzeuge um sie herum stehen. Die Besucher sollen auf Pirschfahrt gehen, selbst suchen, ggf. eben auch einen Tag später wieder kommen … und Eintritt zahlen. Soweit, so gut. Aber, wenn man Bryan ist, kennt man die Ranger. Smalltalk über Gott und die Welt und Familie und das Leben so allgemein … und wir wussten, wo und wie sich eine Löwin gerade versteckt. Den Tag über sieht man sie sowieso kaum. Und wenn man einen westlichen Blickwinkel hat, der auf Sonderangebote und Internet und Fernsehkonsum ausgerichtet ist, sieht man im realen Wildlife sowieso nichts. Also fast nichts 🙂

Hättet ihr sie im Vorbeifahren gesehen? „Seht ihr sie?“ „Wo, wo, wo?“ Das war so typisch 🙂

Der Weg ist das Ziel. Quer durch den Nationalpark, wieder ca. 6 Stunden auf staubigen, der Wirbelsäule viel zumutenden Wegen und stets aus dem Fenster blickend, um etwas zu „erspähen“. Wieder dieser Zwiespalt, wenn man nicht selbst fährt und Nicht-Fotografen an Bord hat. Aber … sonst wäre die Fahrt wahrscheinlich nie zu Ende gegangen, soviel hätte ich fotografieren wollen.




So die Strecke von ca. 125 km.
Aber dabei immer wieder Minuten lange Beobachtungen von:

neugierigen Antilopen (Uganda Kobs)

schillerndem Eisvogel

aufmerksamen Schopf-Adler

grimmigen Pavianen

argwöhnischem Grau-Falken
Was man hier kann in Afrika ist – sich Zeit nehmen. Das ist echt wohltuend.

Nachmittags kamen wir dann im Süden des Parkes an. Eine Lodge, mitten im Regenwald. Betrieben von einem Belgier, dem wir für das WM Spiel abends gegen Frankreich viel Unterstützung zusagten. Am nächsten Morgen sahen wir ihn allerdings nicht (mehr). Na ja, Frankreich war weiter …

Nochmals als kurzer Hinweis: Malaria-Prophylaxe und stets mit NoBite einreiben und stichfeste Kleidung bzw. Kleidung, die mit NoBite imprägniert wurde sind ein MUSS.
Abends zum Abschluss des Tages wieder eine Pirschfahrt. Und sahen wir bisher nur Löwinnen, erlebten wir gleich eine Junglöwenfamilie mit einem Löwen und zwei Löwinnen. Außergewöhnlich und außergewöhnlich nah. Wir hatten sie quasi für uns fast alleine, erst später kamen zwei weitere Autos dazu.

Es tut mir Leid, aber jetzt kommen etliche Löwenbilder…








Nach dem Motto: Jenseits des Mainstream. Andere deinen Blickwinkel und du siehst, was Anderen verborgen bleibt.

Unbeschreibliche Gefühle bei diesem Erlebnis.
Auf dem Weg zum Abendbrot in die Lodge, begegneten wir dann noch Meerkatzen, einem Geier, der sich scheinbar wartend auf Beute über der holprigen Piste positionierte 🙂 ,

eine tolle Landschaft

und wurden begrüßt von einem einladenden Schild 🙂

Wieder ein guter Tag …der nicht so gut für den Belgier endete und uns am nächsten Morgen bis auf 2km an die kongolesische Grenze führte.