In Poseidons Reich

In Poseidons Reich XVII

„Seeschlachten“
Denkmale und Quellen der maritimen Kriegsführung

– Von der Thalassokratie bis zur Schlacht im Moon Sound –

Wieder zu einem Kongress der Unterwasserarchäologie. Diesmal in Stralsund, wieder mit Bernd und vielen Bekannten aus dem Bereich der NAS Ausbildung.

Freitag nach cder Arbeit ging es auf die Autobahn. Der Osterferienverkehr verlief glücklicher Weise auf den anderen Autobahnen. Noch pünktlich zur Einschreibung erreichten wir das Ozeaneum. Dann Checkin im Hotel und abends zum Empfang ins Meerekundemuseum. Dort erwartete uns neben vielen bekannten Gesichtern auch ein schöner Einblick in die Meereswelt, die das Museum den Besuchern anbietet, wie hier einen Steinfisch. Erste Gespräche mit Dr. Martin und den Archäologinnen und  Forschungstaucherinnen Michaela Reinfeld und Katrin Wolters brachten einen sofort wieder in die entsprechende Stimmung.
Samstag früh begannen dann die Vorträge. Nach Begrüßung durch den Oberbürgermeister und einem Vortrag über Seeschlachten am Nil, gab es ua. einen über die Darstellung von „Gefallenen und Ertrinkenden“ in antiken Abbildungen. Kreuzung der Arme, Beinstellungen und viele andere Betrachtungen am Beispiel von Artefakten aus dem Louvre, aus Warschau und München waren Vorausetzungen für die Untersuchung einer Scherbe aus der Erlangener Universität. Und das Ergebnis dieser Untersuchungen, deren Annahme eben die Darstellung würde Gefallene oder Ertrinkende zeigen, führte aber zu der amüsanten Erkenntnis, es handelt sich um einen Pferdehalter und Teile eines Pferdes. So spannend kann Archäologie und Wissenschaft sein 🙂
Weitere interessante Vorträge folgten dann noch bis zur ersten Pause.Über die Vorbereitung von Seeschlachten bis zum Rammsporn an den Schiffen.

Sehr interessant auch die Vorträge von Dr. Blackman und Dr. Martin, der über hellenistische Seesiegdenkmäler dozierte und mir sehr viele Erkenntnisse zu Analyse der Einordnung und technische Verfahren vermittelte.
Ebenso spannend wie aufschlussreich und vor allem komplett neu und spektakulär war die These, dass die Seeschlacht von Actium eigentlich doch ganz anders ausgegangen sein muss, als die bisherige Geschichte und der Spiegel vor wenigen Wochen schrieb. Dr. Schäfer machte plausibel, dass eigentlich alles ganz anders lief. Berücksichtigt man nämlich Winde, Gezeiten, Strömungen etc., kann Antonius eher als Sieger erklärt werden. Octavian selbst propagierte allerdings sehr gut mit einer Präsentation weit überhöhter Anzahl von Rammspornen seinen Sieg. Antonuis‘ geplante „Aushungerung“ verlief nicht so, wie geplant und machte so mit seinem Durchbruch eben einen strategischen Rückzug, in dem er zwar schnell absegelte, aber Legionen für seine Landarmee rettete. Octavian selbst propagierte das als Sieg und Flucht, wobei laut Schäfer der strategische Erfolg aber bei Antonius lag. Interessant, interessant.
Die nachfolgenden Vorträge behandelten die Zeit des Mittelalters. Dr. Thomas Förster, Leiter des Meeresmuseums in Stralsund, stelle die geschichtliche Rolle Rügens aus strategischer Sicht dar, mit dem Schwerpunkt Stralsunds natürlich. An das Thema anschließend, stellte Christian Peplow dann klar, wie sich das Thema Hanse und deren militärischen Einsätze in heutigen Publikationen in Literatur und Fernsehen von der realen Forschung unterscheidet. Es gibt keine Beweise einer militärischen Flotte zu Beginn der Hanse. Normale Handeslschiffe wurden mit Kastellen an Bug und Heck auf hölzernen Gerüsten ausgestattet, um Schützen eine erhöhte Position zu eben. Außerdem holte man sich Bewaffnete an Bord, für das Entern des anderen Schiffes. Es wurden nie größere Geschütze verwendet, wie es so häufig angegeben wird. Wissenschaftliche Beweise fehlen dazu völlig. Die militärischen Einsätze wurden ja auch vorfinanziert. Die Schiffe mussten also Beute bleiben für den Verkauf oder deren eigenen Einsatz.
Es folgten dann weitere Vorträge zur Rolle Schwedens als Seemacht im baltischen Raum. Alle sehr aufschlussreich, besonders der über die Erkundung des Wracks der „Mars“.